Stößt Malta an seine Grenzen?

Der Wirtschaftswissenschaftler J. P. Fabri beklagt, dass Malta einen Wendepunkt in seiner wirtschaftlichen Entwicklung erreicht hat. Er warnt, dass Maltas Wachstumsmodell an seine Grenzen stößt. Das Land müsse über kurzfristige Lösungen hinausgehen und eine tiefgreifendere wirtschaftliche „Erneuerung“ einleiten, um wettbewerbsfähig und widerstandsfähig zu bleiben.

 In einem Interview sagte er, das hohe Wirtschaftswachstum, die niedrige Arbeitslosigkeit und die steigenden Einkommen des Landes würden strukturelle Schwächen verschleiern. Die Fortsetzung der Priorisierung sozialer Stabilität und des Binnenkonsums würde inzwischen Maltas wirtschaftliche Entwicklung behindern. Derart konsumgetriebenes Wachstum führe zu Druck auf Infrastruktur, Arbeitskräfteangebot, Mobilität und Lebensqualität. „Wir stehen an einem Scheideweg“, sagt er. „Die nächste Phase muss wertorientiert sein, nicht mengenorientiert.“ Zentral für diesen Wandel sei die Notwendigkeit höherer Produktivität, die er als einzigen nachhaltigen Weg zu einem höheren Lebensstandard sieht. Fabri fordert die Modernisierung von Maltas bereits stärksten Sektoren. Dazu zählt er fortgeschrittene Fertigung und Kreativwirtschaft. Politische Debatten seien in Malta von kurzfristigem Denken geprägt. So habe im Verkehrssektor die Zurückhaltung bei der Einführung
von Abschreckungsmaßnahmen gegen die Nutzung von Privatwagen sinnvolle Fortschritte verhindert. „Solange der Individualverkehr nicht deutlich teurer wird, wird der öffentliche Nahverkehr nicht in Schwung kommen“, argumentiert er.